Die finnische Sauna – Was macht sie so besonders?

Stimmt es wirklich, dass die Finnen die Sauna erfunden haben? Zwar haben die Griechen und Römer auch Dampfbäder genommen, die Form der Sauna allerdings, die in Deutschland am häufigsten genutzt wird, ist tatsächlich beinahe identisch mit der traditionellen Sauna in Finnland. Die Finnen haben jedoch eine ganz eigene Art, mit dem Saunieren umzugehen, und Saunen haben für sie eine wichtige, beinahe identitätsstiftende Bedeutung. Was eine finnische Sauna ausmacht, darüber erfahren Sie heute mehr. Terveisiä saunasta! (Das heißt: „Grüße aus der Sauna!“).

Was ist ein Finne ohne seine Sauna?

Der wesentliche Unterschied zwischen einer deutschen und einer finnischen Sauna ist, dass ein Deutscher auch gut ohne Sauna leben kann. Der Finne hingegen braucht es regelmäßig heiß und sitzt gern im Dampf, wofür er während des Saunagangs häufig Wasser über die Steine schüttet. Das kommt uns bekannt vor, oder?

In der finnischen Sauna ist man nackt! Darum gehen Männer und Frauen getrennt in die Sauna, es sei denn, man besucht gemeinsam eine Familiensauna. Ist nur eine Sauna für alle vorhanden, wird den Damen gern der Vortritt gelassen.

Der Finne wickelt in der Sauna auch Geschäfte ab oder bespricht öffentliche Angelegenheiten. Das Nacktsein symbolisiert für ihn nur, dass unter der Kleidung alle gleich sind und keiner etwas zu verbergen hat. Früher gab es in jedem finnischen Ort ein öffentliches Badehaus, eine finnische Sauna (ein mit Holz verkleideter Raum, wie bei uns) für alle, in der man sich in erster Linie zur Reinigung und zum Schwitzen, und natürlich auch zum Wellness traf und gleichzeitig gesellig war. In den Saunen brachten die finnischen Frauen auch jahrhundertelang die Babys zur Welt – die Sauna ist für dieses Volk einfach der Inbegriff von Sauberkeit.

Savusauna – eigentlich die „richtige“ finnische Sauna!

In Finnland wird man bestätigen, dass eine „richtige“ finnische Sauna eine „Savusauna“ ist. Dieses Wort wird im Deutschen gern mit „Rauchsauna“ übersetzt, aber natürlich sitzt man nicht im Qualm und raucht auch keinen Tabak in dieser Sauna.

Die Savusaunen werden immer weniger, denn leider brennen sie recht schnell ab, und sind auch nicht besonders komfortabel. Hier steht der mit Holz befeuerte Ofen frei in der Mitte des hohen Raumes, und er hat keinen Abzug, sondern der Rauch zieht langsam an den Wänden entlang nach oben ab, bis er den Raum durch eine kleine Luke verlässt.

Man betritt die Sauna erst, wenn das mehrerer Stunden dauernde Anheizen mit Holz fertig und der Ofen wieder erloschen ist. Die Bänke sind oft rußig, obwohl sie mit Tüchern geschützt werden. In diesen hohen Räumen voller heißer Luft findet jeder das richtige Plätzchen mit seiner Lieblings-Temperatur, denn die Bänke sind zumeist über mehrere Etagen angeordnet. Mehr als 80 Grad werden in einer Savusauna jedoch selten erreicht.

Wer eine solche Rauchsauna einmal im Land der Sauna erleben möchte, kann dies 20km von Helsinki (Hauptstadt von Finnland) in dem kleinen Örtchen Kuusijärvi tun. Hier wird zur Abkühlung zwischen den Saunagängen auch Eisschwimmen angeboten.

Welche Regeln gelten in einer Sauna in Finnland?

Wer einmal nach Finnland kommt und von seinem Gastgeber in die Sauna eingeladen wird, kann sich geehrt fühlen, denn das ist ein echter Vertrauensbeweis. Die Sauna gehört für dieses Völkchen einfach zur Körperpflege und zum Wohlbefinden dazu. Es gibt keine strengen Regeln, wie lange und wie oft man in die Sauna gehen soll – diese Reglementierungen sind wohl als „typisch deutsch“ einzustufen.

Der Finne geht, allein oder in einer Gruppe, so oft in die Sauna, wie er mag. Er übergießt sich mit Wasser, und macht so viele Saunagänge, wie er zum Wohlfühlen braucht. Allerdings wird kein Finne auf die Idee kommen, die Sauna oder den Raum zum Ausruhen in irgendeiner Form zu beduften.

Nach 10 bis 15 Minuten Schwitzen ist es Zeit zum Abkühlen, das bevorzugt in einem kleinen See oder sogar in einem Loch im Eis passieren kann – in Finnland ist das kein Problem, in Deutschland hat man da schon Probleme, eine Sauna mit einer solchen Abkühl-Möglichkeit zu finden. Dann geht es wieder in die Sauna, oder eben auch nicht.

Krank in die Sauna gehen? In Finnland nichts besonderes…

Der Finne wird selten krank, weil er in die Sauna geht, und wenn er krank wird, dann geht er dennoch Saunieren – etwas, was man in Deutschland eher selten macht. Die Temperatur in einer finnischen Sauna ist wirklich heiß, und die Luftfeuchtigkeit ist durch die Aufgüsse generell hoch.

Die Menschen in Finnland sind ein guter Beweis, wie wichtig das regelmäßige Saunieren für den Menschen sein kann, und dass ein lockerer Umgang mit der Sauna ganz einfach möglich ist, wenn man auf seinen Körper hört, anstatt auf die Sauna-Sanduhr zu schauen. Auch wir nehmen uns gern ein Beispiel am Umgang der finnischer Bürger mit ihren Saunen, sind sie doch diejenigen, die uns dieses großartige Mittel der Reinigung und Pflege von Körper und Geist brachten.

Natürlich gilt hier wie immer: Langsam beginnen und nach und nach steigern. Das gilt sowohl für die Häufigkeit der Saunagänge, wie auch für die Temperatur, die in einer finnischen Sauna meist höher ist, als wir es kennen.

In Finnland schlägt man sich – das sollten Deutsche auch machen!

Was wir uns vielleicht auch von den Finnen abschauen können: Das Einschlagen auf den Rücken mit Birkenzweigen. Dazu bindet man ein Büschel mit Birkenzweigen, taucht es erst ins Wasser, hält es dann über den Dampf und schlägt sich selbst oder gegenseitig auf Rücken und Beine, um den zarten Duft der Zweige und den sanften Schmerz, dem eine gesteigerte Durchblutung folgt, genießen zu können. Aber daran werden wir uns erst langsam wagen.

Aber das Abreiben mit Schnee, das werden wir – wenn das Wetter passt – zwischen den Saunagängen wieder machen. Auf einen fröhlichen Winter!

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